Grafomotorik

 

Unter Grafomotorik versteht man die menschliche Schreibbewegung unter Berücksichtigung aller beteiligten Teilkomponenten wie Koordination, Bewegung im Handgelenk, der Finger und der Hände, Rhytmischer Bewegung etc. etc. Schon dieser gekürzten Definition lässt sich entnehmen, dass die Grafomotorik ein komplexer psychomotorischer Prozess ist, den Kinder erst detailliert und mit viel Sorgfalt lernen müssen. Für viele von uns läuft der Prozess des Schreibens oder auch des Malens und Zeichnens, die ebenfalls der Grafomotorik zuzuordnen sind, automatisch ab und wir denken nicht mehr darüber nach. Doch welche Bedeutung hat die Grafomotorik in der heutigen Zeit für unseren Alltag?

 

Bedeutung der Grafomotorik in der heutigen Zeit

 

Das handschriftliche Schreiben galt ehemals und gilt heute als hoch geachtetes und auch notwendiges Gut – wer lesen und schreiben konnte, gehörte lange Zeit einer gehobenen gesellschaftlichen Schicht an. Damals wie heute ist die schriftliche Kommunikation unentbehrlich. Im heutigen Computerzeitalter hat zwar das Tippen am PC in weitem Maße das handschriftliche Schreiben bereits ersetzt, dennoch spielt der handschriftliche Ausdruck nach wie vor eine wichtige Rolle und ist aus unserem Alltag wohl auch bis auf Weiteres trotz Computer und Digitalisierung nicht wegzudenken. Und selbst wenn Sprachcomputer jegliches Schreiben ganz übernehmen würden – die Feinmotorik, die durch die Grafomotorik ausgebildet wird, sowie die gesamten anderen Fähigkeiten, die im Zusammenhang mit der Grafomotorik stehen, gerade auch beim Tippen, sind notwendig und im täglichen Leben gefragt, ob es darum geht, eine Flasche zu öffnen, Geld aus den Geldbeutel zu nehmen etc.

 

Frühe Schulung der Grafomotorik

 

Beim Schreiben führt man eine Anzahl von Bewegungen aus, die „minimiert“ wurden, d.h., ganzkörperliche, große Bewegungen des Rumpfes, des Armes und des Handgelenkes werden beim Schreiben so weit verkleinert, bis sie schließlich über die Koordination der Hand, also die Feinmotorik, ausgeführt werden. Um eine harmonische Schreibewegung zu erreichen ist es daher von großem Vorteil, Kindern zunächst ein Gefühl für den Körper zu vermitteln und die Bewegungsabläufe im „Großen“ zu üben und sich bewusst zu machen, um dann nach und nach langsam in die Feinmotorik überzugehen. So können beispielsweise zunächst

 

    1.Bewegungsspiele im Kleinkindalter und Kindergarten durchgeführt werden, später

    2.Schwungübungen im Vorschulalter und in der 1. Klasse als Vorbereitungen auf das Schreiben und

    3.kann schließlich das direkte Schreiben eingeführt werden.

 

Zusätzlich zu den reinen Schreibbewegungen können in Vorbereitung folgende Fertigkeiten und Fähigkeiten geschult werden, die auch am Schreibprozess beteiligt sind: der Gleichgewichtssinn, der Tastsinn, die Körperspannung, die Bewegungsfähigkeit der Hände und Finger, sowie die Handgeschicklichkeit.

 

Lernmaterial zur Grafomotorik

 

Es gibt spezielles Lernmaterial, das im Hinblick auf besonders frühe, spielerische Schulung der Grafomotorik entwickelt wurde, wie beispielsweise der Rosa Turm oder die Einsatzzylinder, beides Lernmaterial von Maria Montessori. Die Rosa Zylinder fördern u. A. die Feinmotorik, die für die Grafomotorik relevant ist. Dieses Lernmaterial für Kinder ab 3 Jahren besteht aus insgesamt 11 verschieden große Würfeln, die, wenn sie in der richtigen Reihenfolge genau mittig aufeinander gestellt werden, eine Pyramide ergeben. Durch das Aufeinanderstellen wird die Feinmotorik der Hände trainiert. Viele weitere Lernmaterialien wie z. B. Holzpuzzles mit Puzzlestücken mit Griff oder die Einsatzzylinder, die passgenau in Aussparungen eingesetzt werden sollen, fördern ebenfalls die Schreibhandmotorik.

 

Therapie der grafomotorischen Fähigkeiten

 

Ein nicht unerheblicher Prozentsatz an Kindern tut sich mit dem Schreiben lernen nicht leicht. Besonders in der heutigen medienbestimmten Zeit bewegen sich Kinder deutlich weniger als früher ist der Prozentsatz an Kindern mit einer Schreibschwäche im Steigen begriffen, denn unter Bewegungsmangel leidet letztendlich auch die Entwicklung der Grafomotorik. Neben der Legasthenie, der Leseschwäche und der Dyskalkulie, der Rechenschwäche, ist die Schreibschwäche heute die dritthäufigste Schwierigkeit von Grundschülern. In speziellen Praxen lässt sich diese Lernschwäche sehr gut behandeln. Die Therapie kann schulbegleitend ausgeführt werden.